Stress im Job – Wenn Arbeit krank macht

Immer öfter hört man von ernsthaften Erkrankungen im Zusammenhang mit Stress im Job. Macht die Arbeit heute wirklich schneller krank als früher? Und wie haben moderne Kommunikationsmittel wie Handy und E-Mail dazu beigetragen?

Mobbing und Burnout – keine Modeerscheinungen

Vor rund zwanzig Jahren wurde der Begriff “Mobbing” zum Bestandteil des Sprachgebrauchs. Wird jemand von seinen Vorgesetzten oder Kollegen vorsätzlich mit frustrierenden Situationen konfrontiert, absichtlich geschnitten oder im Alltag regelrecht sabotiert, benutzt man diesen Begriff. Ein solches Arbeitsumfeld kann bereits nach kürzester Zeit zu gesundheitlichen Folgen führen, denn der psychische Druck von Mobbing macht sich allzu oft auch körperlich bemerkbar. Das macht es für Opfer von Mobbing besonders schwer, anerkannt zu werden, denn schnell führen Beschwerden über die Situation zunächst zu einer Verschlimmerung der Situation. In der Folge kommt es bei vielen Betroffenen zu einem Übermaß an Stress, weil der tägliche Gang zur Arbeit zur Horrorvorstellung wird. Verbunden damit sind häufig Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen oder auch Verdauungsprobleme und Depressionen.

Stress im Job kann viele Krankheiten verschlimmern

Stress im Job kann Krank machen oder Krankheiten verschlimmern

Obwohl man sich heute auch rechtlich besser wehren kann, dauert es manchmal sehr lange, bis ein Betroffener sich mit Mobbing auseinandersetzt. Dauert die Belastung durch eine solche Situation aber über einen längeren Zeitraum hinweg an, können die begleitenden körperlichen Symptome bei entsprechender Veranlagung sogar zum Ausbruch chronischer Krankheiten führen. Man weiß heute zwar, dass beispielsweise Magengeschwüre oder chronische Magen-Darm-Erkrankungen meist nicht rein psychosomatisch bedingt sind. Dennoch sind sich Mediziner weitgehend darüber einig, dass Stress im Job solche Beschwerden verschlimmern oder bei bestehenden Krankheiten zum Schubausbruch führen können.

Das Arbeitsumfeld hat sich verändert

Dass heute mehr Stress am Arbeitsplatz (Statistik und Umfrageergebnisse) als Problem wahrgenommen wird, liegt zum Teil an der größeren Sensibilisierung der Gesellschaft. Früher schwiegen Betroffene und ertrugen die Probleme einfach. Aber auch die Veränderung der Kommunikation und die Beschleunigung durch die Globalisierung sind sicherlich mitverantwortlich für das gestiegene Niveau an Stress im Job. Ein Beispiel: Früher gab es feste Bürozeiten, zu denen man für Kunden oder auch den Chef erreichbar sein musste. Darüber hinaus traten nur wenige Mitarbeiter auch in ihrer Freizeit mit der Firma in Kontakt. Heute müssen viele Unternehmen aber rund um die Uhr erreichbar sein und erwarten das auch von ihren Arbeitnehmern, obwohl hierfür normalerweise gar kein Rechtsanspruch besteht.

Burnout ist teuer für Unternehmen

Die Politik reagiert inzwischen auf die zunehmende Zahl von Erkrankungen im Beruf durch Stress. So wird derzeit darüber debattiert, ob es ein E-Mail-Verbot nach Dienstschluss geben soll, damit Mitarbeiter nicht mehr ständig unter dem Druck stehen, erreichbar sein zu müssen. Ähnliches gilt für berufliche Anrufe auf dem Handy nach Dienstschluss. Einige Unternehmen haben bereits selbst den Handlungsbedarf erkannt, denn die Ausfallzeiten bei Burnout sind in der Regel relativ lange und stellen somit auch einen wirtschaftlichen Faktor dar.

Nicht vom Handy versklaven lassen

Wer feststellt, dass er nur noch sehr ungern zur Arbeit geht und regelrecht Angst vor der Belastung bekommt, sollte nicht warten, bis es zu spät ist. Das Ansprechen von Problemen kann in vielen Fällen schon die Augen der Kollegen und Vorgesetzten öffnen und Abhilfe schaffen. Führt dies nicht zum Erfolg, sollten etwaige Symptome, wie sie sich etwa bei Burn-out äußern, nicht unter den Tisch gekehrt werden. Aber auch ein gesundes Maß an Egoismus kann helfen, das Abschalten des Handys nach Dienstschluss wirkt bereits Wunder. Ist es schon zu körperlichen Symptomen gekommen, sollte man frühzeitig mit dem Arzt über den Stress im Job sprechen. Die Sensibilisierung der Mediziner in diesem Bereich hat in den letzten Jahren stark zugenommen und auch Krankenkassen unterstützen ihre Mitglieder bei Prävention und Behandlung.